Tag 22: St. Jean de Maurienne bis Bourge

Relativ lange Pause weil ich mein Handy kaputt geschwitzt hab. Die restliche Story ist sicherlich massiv verfälscht weil ich mittlerweile ausgeschlafen und in guter Stimmung bin aber ich versuche es trotzdem die letzten Tage so fesselnd wie möglich aufzurollen.

Nach unserem Restday ist das Ende schon in Sicht, noch drei grosse Berge bzw. Pässe: Iserand (heute), kleiner St. Bernhard (morgen) und dann über den Stelvio-Pass nach Südtirol und heim. Gleich nach St. Jean de Maurienne beginnt unser Tag (noch vor dem Iserand) mit einer Sammlung an Serpentinen, den Lacets, die aus irgendeinen Grund berühmt und auch Teil der Tour de France dieses Jahr sind.

Frisch reinviechen
Erste Serpentine
von oben – ein besseres Foto auf die Serpentinen von oben wäre ohne Absturz nicht möglich gewesen
Alle da
St. Jean de Maurienne von oben
Thomas’ intensive Beschäftigung mit Scheibenbremsen hat gefruchtet, er hat sie am Restday tatsächlich erfolgreich repariert und glüht jetzt wieder die Berge runter

Mit dem Anstieg zum Iseran verbringen wir den Rest des Tages, viel haben wir da nicht erlebt was ich mich erinnern kann – ewig lang geradeaus, hintereinander fahren, nix reden, Schatten suchen, Stausee rechts, zwei Hochgeschwindigkeitszüge und die obligatorische Pause beim Supermarkt mit Toilette fürn Clemens.

Ewiger Anstieg zum Iseran mit knackigem Ende – die Lacets sind dagegen wieder einmal nur ein kleiner und verdeckter Anstieg
Lüftung oben
Schatten rechts
Erneuerbare Energien machen uns glücklich
50:50 Pringles:Müslirigel
T G V !
Frecciarossa – das italienische Gegenstück
die Berge kommen näher
Koffein heiß und kalt bitte
Zwischenpass – ein (und nicht DER) Col de la Madeleine
und eine Pause geht noch bevor’s wirklich steil wird
Thomas fühlt sich gut ..
.. und attackiert stehend im ersten Anstieg
“Sicher nicht, selbst wenn ich mich ganz ausziehen muss vor lauter heiss!”
Pleateau nach dem ersten Anstieg – jetzt Meter machen
Plateau von oben, YES die anderen sind noch nicht da
Einbruch – eine Packung Haribo ex

Rennradfahrer grüßen sich ja gegenseitig, sollte zumindest so sein. Ich hab da irgendwie Probleme damit, bergauf bin ich zu provoziert vom Berg und bergab brauch ich beide Hände um nicht vom Rad zu fallen, da bleibt dann in den Bergen nicht mehr viel über. Fahrradfahren wirkt ja wie eine sehr monotone Tätigkeit bei der man gut das Hirn auslüften kann und zum Nachdenken kommt. Das ist bei mir eigentlich überhaupt nicht so, ich verfalle da in so einen hirnlosen Trance-Zustand. An die Etiquette erinnere ich mich dann doch automatisch irgendwie und grüße einfach jeden, auch die Ebiker oder die Omi am Waffenrad und frage mich nachher warum weil man darf ja eigentlich nur andere Rennradfahrer grüßen. Glaube die fragen sich dasselbe weil die grüßen mich nie zurück. Sehr lässig wirken auch die Motorradfahrer wenn sie sich gegenseitig grüßen. Die brauchen ihre Hände anscheinend gar nicht, ich habe sogar schon welche freihändig fahren gesehen, die brauchen offensichtlich überhaupt keine ihrer Körperteile für diesen Sport und müssens irgendwie anders spannend machen. Dieser soziale Aspekt von 2-Rad “Sport” beschäftigt mich offensichtlich viel und abgesehen von der Frage warum nur Rennradfahrer sich gegenseitig grüßen aber die Ebike-Omis sich nicht habe ich mich gefragt warum sich nicht alle auf zwei Rädern grüßen. Motorradfahrer grüßen aber nie zurück ich hab’s oft versucht.

“du bist keiner von uns”
kann nicht mehr weit sein, da oben liegt schon Schnee
Col de l’Iseran

Was ich an dieser Tour wirklich gern habe ist, dass man viele Dinge zu Gesicht bekommt die man schon einmal gehört aber bis jetzt keinen Bezug dazu hatte wie z.B. die Champagne, Provence, erbärmliche Hygienezustände, sich jeden Tag zu quälen ohne es irgendjemandem oder sich selbst schlüssig erklären zu können warum man das tut, durch Routine bedingter völliger Verlust des Schamgefühls wenn man am Strassenrand pinkelt, auf Alkohol zu verzichten damit man morgen fit ist, oder das Gefühl so viel in ein Fahrrad zu treten, dass man es am Abend nicht mehr in den zweiten Stock zu seinem Zimmer schafft. Hier reiht sich auch der Ort Val d’Isere ein, ein Skigebiet aber ich habe eigentlich keine Ahnung gehabt wo das ist. Das weiß ich jetzt. Nach dem Iserand rollen wir ewig bergab nach Val d’Isere, bin selbst 100 mal stehen geblieben um Fotos zu machen, der Thomas sicher 1000 mal, der Clemens war nach 5 Minuten unten und hat vermutlich am Weg jedes Auto überholt.

Abfahrt – unüblicher Anblick, Thomas vor Clemens ..
.. lang hat’s nicht gedauert
Val d’Isere

Nach dem Iseran und Val d’Isere ging die Abfahrt dann weiter an einem obligatorischen Stausee und Gallerien entlang, relativ schnell und gerade Autobahn-like bis nach Bourg von wo wir dann morgen auf den kleinen St. Bernhard fahren und über das Aosta-Tal (=Italien) nach Biella.

Auch eine klassische Ansicht – Vor mir
Hinter mir
Bourge St. Maurice
“Sein Fahrrad ist genauso dünn wie er, was macht er da eigentlich und muss man da selber treten??”
ich hätte auch gerne solche Radtaschen, dann könnte ich circa eine Stunde am Tag mehr damit verbringen an meinem Fahrrad herumzufummeln
die Dusche ist schon ganz nah
bitte noch ein Körbchen Brot zu meiner Lasagne

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