Thomas’ Rad ist gut angekommen, meines nicht. Unspannende technische Geschichte, zusammenfassend kann man sagen ich bin ein Trottel und hab’ nicht auf den Thomas gehört und deswegen ist jetzt meine Achse am Vorderrad kaputt. Ich bekomm’ sie micht mehr runter. Die gute Nachricht ist, ich kann so fahren. Die schlechte ist, dass ich jetzt meinen Schlauch nicht mehr wechseln kann sondern nur flicken. Ich hab beschlossen ich lass’ das jetzt so und versuche nicht ein Problem, dass ich selbst nicht ganz verstehe, in einer Sprache, die ich nur schlecht kann, irgendeinem Typen im Fahrradshop zu erklären und der macht dann mein Rad komplett kaputt.

Up early war heute auch nicht das Motto. Bin bis 7:40am relativ in Ruhe gelassen worden, aufgebrochen sind wir dann erst gegen 9am und haben noch in Ruhe in einem Café gefrühstückt. Ich bin extrem positiv überrascht.

Am psychologisch wichtigen ersten Tag sind wir 145 kilometer gefahren. Davon circa 145 km mit Gegenwind. Wind, Pensionisten oder kleine Kinder die die Spur nicht halten – irgendwas ist uns ständig entgegengekommen. Es ist zwar Spanien bzw Barcelona aber durch den Wind wars eher Donauinsel-in-die-falsche-Richtung Feeling und tendentiell kühl. Das ist dann auch der Grund warum ich mich so gut eingeschmiert habe (not). Es is eh jedes Jahr das gleiche Theater aber so scharfe tan lines hab’ ich noch nie gehabt.

Tut nicht weh. Ich bräune einfach schnell. Is’ so.
Apropos tut nicht weh, die Katalanen sind unglaublich nette Leute. In den Lokalen waren die Leute fast dankbar ihr Englisch an uns zu demonstrieren, hab’ mich noch gar nicht so richtig auf Spanisch blamieren können. Der Kellner gestern beim Abendessen hat mir ein Gin Tonic gemischt das war so gut gemeint, dass ich den Salat fast nicht mehr erlebt hätte. Aber vorallem die Autofahrer haben wir heute hart getestet. In Wien wundert mich Anhupen nicht und bis zu einmal Stinkefinger pro Tag ist auch drin ohne, dass ich die Mondphase hinterfrage. Hier, also dort wo ich grad bin, sind wir gleich nach Barcelona auf eine Höhenstrasse, supereng, keine Sicht, hinter uns die Autos gestaut und trotzdem hats keinem einzigen Spanier den Vogel rausghaut. Beim vorbeifahrenden Auto war ich eh immer vorbereitet und hab’ hingschaut aber es hat nie wer zurückgschaut. Respekt.


Der Wind hat uns immer begleitet. Irgendwann war dann auch klar, dass noch was anderes nicht passt. Unsere Navigation ist relativ kompliziert. Thomas hat da so einen Radcomputer und der spuckt “rechts”, “links” oder “gerade” aus. Voll die Blackbox für mich aber soweit ich es verstehe ist die Route auf OpenStreetMap basiert. Das ist sowas wie Wikipedia für Strassenkarten und da dürfte, ebenfalls wie Wikipedia, unpackbar viel Schrott drin sein. Beim ersten Feldweg hats den Thomas gleich amal hingelegt.

Danch waren dann noch einige “Routen” die maximal als Trampelpfade für spanische Katzis durchgehen. Aber wir sind gut vorbereitet, haben insgesamt vier Ersatzschläusche mit und ich kann meinen Vorderreifen sechs mal kleben bis endgültig game over ist. Hat auch gut funktioniert bis zu einer Route kurz vor Ende. Begonnen hat’s mit einem Tunnel unter der Autobahn durch den uns das Navi geschickt hat. Ich hab’ ja eigentlich nicht so schnell Angst vor irgendwas weil mir wahrscheinlich der Realitätssinn für viele Dinge fehlt oder ich finde, dass nur wenige Sachen im Leben wirklich wichtig sind. Aber in einen komplett stockfinsteren Tunnel im Nirgendwo, ohne dass man Licht am anderen Ende sieht, (alleine) reinspazieren macht mir Erwachsenenangst. Dafür habe ich zu viele Horrorfilmtrailer gesehen. Nicht mein Genre.
Das ist nicht der Tunnel.

In dem Tunnel war auf jeden Fall nix. War trotzdem komisch, wer zeichnet solche scheissdreck Wege ein??
Danach ist es aber noch besser geworden. Nach dem Tunnel war Feldweg und auf einmal stehen wir am Strand. Kein Radweg weit und breit und definitiv nicht die Art Strand wo man vielleicht kmiatlich mit dem Rad schlendert oder Ryan Gosling reiten geht .. dort tut sich ein PANZER schwer!!


Unser nervöses Treiben hat irgendein Spanier chillend beobachtet. Der muss sich gedacht haben wir sind komplett deppat wie wir da mit unseren Rennrädern in den Grobschotterstrand reinstümpern!

Ich weiss die Spannung ist schon am Höhepunkt aber es wird nocheinmal einen Tick besser. Unser neu entdeckter Strand entpuppt sich als Minibucht. Über die einzigen Stiegen dort tragen wir unsere Räder auf einen Weg den das Navi kennt und sind wieder on-track. Wir sind glücklich und machen Selfies.


Gefühlte zehn Meter später verwandelt sich unser Fahrradweg in einen verdammten Klettersteig.


Unten angekommen sind wir schon wieder auf irgendeinem Schotterstrand und ein Spanierpärchen fragt mich was wir mit den Rädern hier eigentlich vorhaben. In Spanglish sage ich (circa) “das ist was passiert wenn man mit Google Maps navigiert”. Vielleicht habe ich unabsichtlich auch was anderes gesagt, gelacht haben sie nicht.
Am letzten Stück vor unserem Hotel waren wir noch bei einer Tankstelle. Beim Abendessen gestern haben wir Wasser mit Gas bestellt und mir ist in meinem Leben noch kein Mineralwasser speziell aufgefallen aber das gestrige war irgendwie anders. Auf jeden Fall war es gut und der Kellner hat stolz erklärt, dass das katalanisches Mineralwasser ist. Deswegen hab’ ich heute bei der Tankstelle eine Flasche davon gekauft und in unsere Trinkflaschen umgefüllt. Die leere Glasflasche gebe ich dann dem Tankstellenwart mit den Worten “el vidrio?” zurück. Der erklärt mir, dass er selber keinen Glasmüll hat. “yo tampoco” sag’ ich. Das hat ihn nicht glücklich gemacht. Aber tschuldigung, jetzt bin ich amal Ausländer, muss ich wirklich wissen wo hier der Glasmüll is’ ?!
Dann sind wir mittelfit in unserem 4-Sterne Hotel eingecheckt und haben uns ein Restaurant gesucht.





….
Supermotiviert


RADIO!


“Geri, irgendwann wirds dich für einen dieser Selfies so aufzahn!”




